EIN SCHLACHTFELD

Kornel Abel, Schriftsteller und Offizier jüdischer Herkunft verwendete die folgenden Worte während des Ersten Weltkriegs, um das Schlachtfeld im Karst auf unnachahmliche Weise zu beschreiben: Karsisches Hochland! Zwei Wörter, wenige Silben! Ein Begriff, der nun auch jedem Bürger und jedem Drückeberger bekannt ist. Eine Bezeichnung, die aufgrund ihrer täglichen Verwendung ihren Schrecken verloren hat, da sich die Menschen schon zu sehr an sie gewöhnt haben. Nur jene, die sich in den Gräben zwischen dem Berg Monte San Michele und den Klippen von Duino niederducken, der unversöhnlichen Steinwüste ausgeliefert und jene, die die bedrohte Heimat verteidigen und fast nur mit ihrem eigenen Körper den Durchgang für den Feind nach Laibach und Triest versperren, wissen, dass nur diese wenigen Silben die gerechtfertigte Bezeichnung für einen der bestürzendsten und heroischsten Gesänge der Menschheit sein kann. Ausgehend von den Grenzen der Hochfläche erstreckt sich dieses Felsenmeer mehrere Kilometer in das Landesinnere, als ob der Boden mit einem Panzer überzogen wäre. Die Steine scheinen regelrechte Muschelbänke zu formen, die Felsen zeigen die klaffenden Wunden, die durch die Explosionen der Granaten hervorgerufen wurden. In den spärlichen Oasen der Dolinen ist der Boden von unten nach oben umgegraben, wie die Weinberge nach dem Pflügen. Die bewaldeten Hänge sind vollkommen aufgeschürft und von Löchern durchsiebt. Projektilsplitter haben sich in alle Bäume des kümmerlichen Waldes gekrallt, der von tiefen Wunden durchzogen ist.

Auch dieser Seite des Karsts kann heute ein Besuch abgestattet werden. Vor allem der Görzer Karsts, der bis zum 9. August 1916 für die Österreicher einer Naturgewalt gleich kam, sowie der nahe gelegene Berg Monte Hermada, ein uneinnehmbarer Schutzwall, der alle Angriffe des italienischen Heeres aushielt, ist heute mit zahlreichen Wegen und Routen durchzogen, die allen, die sich für die Geschichte des ersten weltweit ausgetragenen Kriegs interessieren, einen der schauderbarsten, europäischen Kriegsschauplätze begreifbar macht.