GESTEIN-VERARBEITUNG

Im Karst hat nicht nur die Natur den Steinen Gestalt verliehen, sondern auch der Mensch hat von Anbeginn an gelernt, diese Kunst auszuüben. Seit der Jungsteinzeit wird der Stein hier als Hauptbaumaterial verwendet. Der Mensch hat nicht allzu lange gebraucht, um herauszufinden, wie er ihn auch als dekoratives Element nutzen könnte. Ein Element, das noch heute die Häuser im Karstgebiet schmückt.

Schon in der Urgeschichte verwendeten die Karstbewohner Felsen, um die Eingänge der Höhlen, in denen sie lebten, zu verschließen, während sie in der Jungsteinzeit damit Castellieren baute, deren Reste noch heute auf den zahlreichen Anhöhen des Karsts zu sehen sind. Mit dem Erscheinen der Römer setzte sogar der Export des Gesteins ein. Der Karstmarmor wurde derart geschätzt, dass er für den Bau der Stadt Aquileia verwendet und sogar bis nach Ravenna transportiert wurde, wo er als Bau- und Dekorationsmaterial diente. Spuren des Abbaus durch die Römer können noch heute im Steinbruch Cava Romana in Aurisina begutachtet werden. Der Steinbruch wurde aufgrund der guten Qualität des Marmors und dem Zugang zum Meer, der den Handel mit dem abgebauten Material wesentlich erleichterte, sehr geschätzt.

Der Abbau und das damit verbundene Handwerk überdauerten im Karst sogar das Mittelalter und haben vor allem während des Baus der Südbahn, die den Karst und im Besonderen Aurisina mit Wien und Triest verband, regen Aufschwung erfahren. Der Karstmarmor und sein Abbau erreichte industrielle Maßstäbe und auch heute noch wird der Karstmarmor als historische Sorte dieses Materials eingeordnet.