KULTURLANDSCHAFT

Dass der Karst heute in der „provisorischen Liste“ in der Kategorie „Kulturlandschaft“ der UNESCO eingetragen ist, ist den Bewohnern des Karsts und ihrer Anpassungsfähigkeit zu verdanken.

Der Karstboden ist dem Menschen nicht sehr wohl gesonnen, da er wenige natürliche Ressourcen bereithält. Gerade aus diesem Grund mussten die Karstbewohner mit Gewalt in die Umwelt eingreifen, um sie zu verändern und so ihr Überleben zu sichern.

Die Karstlandschaften sind aus diesem Grund vor allem Früchte der menschlichen Arbeit, ein deutliches Zeichen für die Symbiose zwischen Mensch und Natur. Eine Natur, die der Karstbewohner nicht sich selbst überließ, sondern die er zähmte und ihr damit das Widerspenstige nahm.

Schon ein kleiner Spaziergang im Karstgebiet lässt uns erahnen, welche unermüdliche Arbeit der Mensch über Jahrhunderte geleistet hat, damit aus Steinhaufen fruchtbares Ackerland wurde. Es reicht aus, die Trockenmauern aus Stein zu betrachten, die als Abtrennung für Grundstücke, Wiesen oder als Begrenzung für Wege genutzt werden, um sich gewahr zu werden, wie die Einwohner des Karsts von Generation zu Generation einen Stein nach dem anderen auf den Wiesen und Feldern sammelten, damit sie etwas Ackerland gewinnen konnten.

Die Anstrengungen der Karstbewohner lassen sich auch an den zahlreichen, künstlichen Dolinen ablesen, die sich von den „natürlichen“ dadurch unterscheiden, dass der Mensch sie von den Steinen „befreite“. Sie wurden darauffolgend auf dem Grund der Doline platziert und mit Erde bedeckt, die von den Hängen und den angrenzenden Hohlräumen gekratzt wurde. Der Effekt war eine größere, ebene Fläche mit genug Erde für den Anbau.

Auch die zahlreichen Teiche und Tümpel, die zur künstlichen Sammlung des Oberflächenwassers dienten und zur Tränkung des Viehs herangezogen wurden, sind Zeichen dieser wahrlich meisterhaften Arbeit und der menschlichen Genialität. Ein weiteres unverwechselbares Merkmal der Karstlandschaften sind die Steinbrunnen, die sich neben den Wohnhäusern oder im Zentrum des Dorfes befanden und Regenwasser auf Vorrat sammelten, damit dieses in den trockenen Tagen des Sommers genossen werden konnte.

Schlussendlich findet man im Karstgebiet auch Steinhütten, in denen sich die Hirten bei Schlechtwetter zurückzogen. Aus architektonischer Sicht einzigartig sind die Dörfer des Karsts mit ihren kleinen Gässchen, den Steinkreuzen („Pili“), den gewaltigen Portalen, den charakteristischen Wegen und den Steindächern.