Weniger Sprichwörter sind für den Karst so zutreffend wie das lateinische „Gutta cavat lapidem” (Steter Tropfen höhlt den Stein.). Das Wasser verwandelt und verändert den Karst, gräbt sich eindrucksvoll in das Gestein ein und erfüllt es so mit Leben.
Die verschiedenen Karrenstrukturen des Karsts mit ihren zahlreichen Formen und Abmessungen, die aufgrund von Lösungsverwitterung entstehen, tragen sehr unterschiedliche Namen. Die häufigsten sind mit Sicherheit Kamenitzas, runde, ovale oder irregulär in das Gestein eingegrabene Strukturen mit einem flachen Boden und oft sehr verwittertem Aussehen. Sie entstehen zumeist auf leicht geneigten Felsenoberflächen oder weniger steilen Gefällen, wenn Kalkstein über längere Zeit Niederschlagswasser ausgesetzt wird. Genauso interessant sind die Trittkarren. Auch in diesem Fall handelt sich um ein Karstphänomen an der Oberfläche, das trittförmigen Stufen ähnelt, die zu einer tieferliegenden Fläche überleiten.
Die Rillenkarren wiederum setzen an Felsfirsten an und entstehen aufgrund der Erosion, die durch das Niederschlagswasser bewirkt wird. Es gräbt dabei in Falllinie kleine Rillen. Vertiefen sich diese und erreichen eine Länge von 30 Zentimetern, dann spricht man von Rinnenkarren, die auch eine Länge von einigen Metern erreichen können. Auf steiler abfallenden Hängen verlaufen sie geradlinig, während sie auf weniger abschüssigen Hängen, deren Gefälle geringer ist, zu faszinierenden Mäanderkarren werden können.
Zu den typischen Karsterscheinungen zählen auch die Karrenfelder. Dieses Phänomen entsteht aufgrund einer schnellen Lösungsverwitterung des Kalksteins entlang der Rillen oder anderer Bereiche des Felsen, die weniger resistent sind. Wenn sich ein Karrenfeld unter der Humusdecke bildet, dann ist die Form abgerundeter. Karrenfelder können mehrere Meter lang werden. Sofern ein größerer Teil der Felsenoberfläche aufgespalten wurde, spricht man von Trümmerkarren.