LANDSCHAFT

Simon Rutar, Professor des Staatsgymnasiums in Gorizia/Görz beschrieb 1892 die Karsthochfläche als ein „gewelltes versteinertes Meer“. Der Gelehrte definierte es als eine Geländeform, die sich über die Umgebung erhebt, oder besser gesagt eine Hochfläche mit einer Landschaft, die nicht eben, sondern aus zahlreichen Dolinen, Senken und kleinen, kahlen Stellen bestand, aus denen Steinhaufen und karge, felsige Gebirgsgrate hervorlugten; eine Landschaft, die mit dem heutigen Erscheinungsbild des Karsts wenig gemein hat.

Vergeblich würde sich der Besucher heute auf die Suche nach jenem kahlen, felsigen Karst des 19. Jahrhunderts machen. Heute wird dieses Gebiet von einer dichten Macchie bedeckt, das heißt einem Buschwald, der die kahle Karsthochfläche in lebendiges Grün taucht. Das heutige Gesicht des Karsts ähnelt daher eher einem Meer mit leichtem Wellengang, das mit einem grünen Teppich überzogen wurde. Es spendet im Sommer erfrischende Kühle, während es uns im Winter mit seinen fest im felsigen Untergrund verankerten Bäumen vor den heftigen Sturmböen der Bora schützt.

Nichtsdestotrotz hat die Karstlandschaft unter ihrem grünen Mantel nichts an ihrer steinernen Schönheit, ihren Ponoren, ihrer Geländeform, die im Laufe der Jahrtausende vom Wasser und von der Natur so kunstvoll gestaltet wurden, eingebüßt, so dass sie sogar weniger aufmerksame Besucher in Erstaunen versetzen.

Kurz gesagt der Karst als monotone, einheitliche Landschaft existiert nicht. Die vielfältige Pflanzenwelt schmückt ihn zu jeder Jahreszeit und kreiert unnachahmliche Kunstwerke wie zum Beispiel im Frühling die Blumen, die aus den grauen Felsen sprießen, im Sommer das goldene, vertrocknete Grasland, im Herbst der vielfärbige Sumach und im Winter das Grau der Felsen, das vom Grün der Nadelbäume bedeckt und von den heftigen Windböen der Bora gepeitscht wird.